
07.10.2026
Job Hugging: Wenn Mitarbeitende aus Angst bleiben und nicht aus Überzeugung
Die Kernaussage in einem Satz
Niedrige Fluktuation ist kein Beweis für Bindung – wer aus Angst bleibt, ist oft längst innerlich gegangen.
Viele Führungskräfte atmen gerade auf: Kaum jemand kündigt, die Teams sind stabil. Doch eine neue Umfrage zeigt, dass hinter dieser Ruhe oft keine Zufriedenheit steckt, sondern Vorsicht. In der Arbeit mit Teams erlebe ich das immer wieder: Die Menschen sind noch da, aber die Energie ist raus.
Was hinter dem Begriff „Job Hugging“ steckt
Laut dem aktuellen Work Relationships Index von HP, einer Befragung von 1.000 Büroangestellten, halten 64 % einen Jobwechsel derzeit für zu riskant. Bei der Generation Z sind es 68 %, bei den Millennials 66 %. Das Fachmagazin People Management hat am 5. Oktober 2026 darüber berichtet.
Für dieses Verhalten gibt es inzwischen einen Begriff: Job Hugging. Man klammert sich an die eigene Stelle, weil ein Wechsel unsicher wirkt, nicht weil man begeistert ist. Ein Fehlgriff scheint gerade viel mehr zu kosten, als ein guter Wechsel bringen kann.
Bleiben heißt nicht verbunden sein
Nur 26 % der Befragten beschreiben ihr Verhältnis zur Arbeit als gesund. Das sind 11 Punkte mehr als im Vorjahr, aber noch immer eine klare Minderheit. Für Deutschland zeigt der Gallup Engagement Index 2025 ein ähnliches Bild: 78 % der Beschäftigten fühlen sich ihrem Unternehmen nur gering verbunden, weitere 13 % gar nicht.
Wer nur aus Sicherheitsgründen bleibt, zieht sich schneller innerlich zurück. Ideen werden nicht mehr ausgesprochen, Konflikte bleiben ungeklärt, das Burnout-Risiko steigt. Die Fluktuationsrate sieht gut aus, während Zusammenarbeit und Kreativität leise leiden. Wie beim Eisberg-Modell im Teamcoaching zeigt sich das Entscheidende unter der Oberfläche.
Drei Ansatzpunkte für echte Bindung
1. Hinschauen statt Zahlen feiern
Fragen Sie, warum Ihre Mitarbeitenden bleiben. Ist es Überzeugung oder Vorsicht? Offene Gespräche und gute Teamreflexionen bringen hier mehr als jede Kennzahl.
2. Beziehungen im Team stärken
Bindung entsteht weniger durch Benefits als durch Vertrauen, gute Zusammenarbeit und das Gefühl, gesehen zu werden. Woran Sie das erkennen, lesen Sie in unserem Beitrag Woran Sie echtes Vertrauen im Team erkennen.
3. Wandel gemeinsam gestalten
Gerade in unsicheren Zeiten geben transparente Kommunikation und echte Beteiligung Halt. Teams, die Veränderung mitgestalten, entwickeln Verbundenheit statt Abwartehaltung.
Fazit
Eine Phase niedriger Wechselbereitschaft ist kein Ruhepolster, sondern eine Chance. Jetzt können Sie in Bindung investieren, bevor der Arbeitsmarkt wieder anzieht und die stillen Unzufriedenen gehen. Im systemischen Teamcoaching und in unseren Kunst-Teamevents wird sichtbar, was im Alltag oft unausgesprochen bleibt: Wie geht es uns als Team, was verbindet uns, wo wollen wir hin? Wenn Sie wissen möchten, wie es um die Bindung in Ihrem Team wirklich steht, sprechen wir gern darüber. Nehmen Sie einfach Kontakt mit uns auf.
Häufige Fragen (FAQ)
Was bedeutet Job Hugging?
Job Hugging beschreibt Mitarbeitende, die an ihrer Stelle festhalten, weil ein Wechsel ihnen zu riskant erscheint, nicht weil sie zufrieden oder engagiert sind.
Ist niedrige Fluktuation nicht ein gutes Zeichen?
Nur bedingt. Sie zeigt, dass Menschen bleiben, aber nicht, warum. Bleiben aus Vorsicht geht oft mit geringem Engagement und innerem Rückzug einher.
Woran erkenne ich Job Hugging in meinem Team?
Typische Signale sind sinkende Eigeninitiative, Schweigen in Meetings, Dienst nach Vorschrift und ungeklärte Konflikte, obwohl niemand kündigt.
Was hilft konkret gegen Job Hugging?
Ehrliche Gespräche über Motivation, gezielte Teamentwicklung, Entwicklungsperspektiven und eine Kommunikation, die Mitarbeitende in Veränderungen einbezieht.
Quellen
- People Management: Two thirds of desk-based workers say leaving their job is ‘too risky’, survey finds (05.10.2026)
- Personalwirtschaft: Studie: Schlechte Führung wird toleriert, wenn die Zahlen stimmen (mit Daten aus dem Gallup Engagement Index 2025)
>Autor: Götz Friedewald, Gründer von FIRMEN MALEN, zertifizierter Teamcoach und Künstler.

