
02.11.2026
Teamrollen nach Belbin: Wer im Team wirklich den Pinsel führt
Teamrollen nach Belbin: Wer im Team wirklich den Pinsel führt
Neun Menschen, eine Leinwand, viel zu wenige dicke Pinsel. Was in den ersten drei Minuten eines Malevents passiert, verrät oft mehr über ein Team als jedes Mitarbeitergespräch. Der eine verteilt sofort Aufgaben, die niemand bestellt hat. Die andere steht da, schaut zehn Minuten zu – und liefert dann den Satz, der dem Bild die Richtung gibt. Zufall ist das selten. Meistens ist es eine Teamrolle, die sich gerade zu Wort meldet.
Die Kernaussage in einem Satz
Ein Team braucht nicht neun gleiche Leute, sondern neun verschiedene – und am besten weiß jeder, welche er gerade spielt. Das ist die ganze Pointe des Belbin-Modells, und ehrlich gesagt auch die ganze Pointe eines guten Teamevents.
Was Belbin eigentlich beobachtet hat
Meredith Belbin hat in den 1970er-Jahren jahrelang Managementteams bei Entscheidungssimulationen beobachtet und sich eine für Forscher ungewöhnliche Frage gestellt: Nicht, wer am klügsten ist, sondern wer im Team welche Funktion übernimmt, egal wie klug er ist. Das Ergebnis waren neun Teamrollen, aufgeteilt in drei Familien: handlungsorientierte, wissensorientierte und kommunikationsorientierte Rollen. Klingt nach Schublade, ist aber eher ein Werkzeugkasten, aus dem jeder etwas benutzt.
Die handlungsorientierten Rollen: wer zuerst zum Pinsel greift
Der Macher will liefern, am liebsten gestern. Er greift als Erster zum dicksten Pinsel, malt drei Striche und fragt dann, ob das jetzt schon das Konzept war. Der Umsetzer dagegen fragt tatsächlich erst, was das Konzept ist, bevor er anfängt – und zieht dann die Linie, die am Ende wirklich trägt. Und dann gibt es den Perfektionisten, der kurz vor Abgabe noch einmal mit einem winzigen Pinsel in die Ecke geht, wo garantiert niemand hinschaut. Ohne den Macher wird nie angefangen, ohne den Perfektionisten nie fertig. Beides braucht ein Team, auch wenn sich beide im Meeting gegenseitig für die Bremse halten.
Die wissensorientierten Rollen: wer die Idee liefert, bevor überhaupt gemalt wird
Der Neuerer bringt die Idee, die zunächst niemand versteht und am Ende das Bild rettet – vorausgesetzt, jemand übersetzt sie rechtzeitig in etwas Malbares. Der Wissensträger weiß, warum Ultramarinblau seit dem Mittelalter teurer war als Gold, erzählt das auch gern ungefragt, und hat nebenbei die einzige Information im Raum, die am Ende tatsächlich nützlich ist. Der Beobachter schließlich sagt in den ersten zwanzig Minuten kein Wort und dann den einen Satz, der die Komposition rettet. Die besten Ideen kommen selten von denen, die am lautesten reden. Das ist unbequem für alle, die gern laut reden. Ich schließe mich da nicht aus.
Die kommunikationsorientierten Rollen: wer dafür sorgt, dass aus Farbe ein Bild wird
Der Koordinator verteilt keine Befehle, sondern Fragen – wer hat noch Rot übrig, wer könnte die rechte Seite übernehmen – und hält damit ein Bild zusammen, das sonst in neun Einzelwerke zerfallen würde. Der Teamarbeiter merkt als Einziger, dass zwei Kollegen sich seit einer Viertelstunde wortlos um dieselbe Fläche streiten, und löst das, bevor daraus ein Grundsatzkonflikt wird. Und der Wegbereiter kennt zufällig noch einen Lieferanten für die Leinwand, einen Platz für die Vernissage und die Person in der Firma, die das Bild am Ende aufhängen lässt. Ein Bild entsteht selten durch Talent allein, sondern durch jemanden, der dafür sorgt, dass aus neun Einzelbeiträgen ein Ganzes wird. Das gilt, nebenbei bemerkt, auch für Projekte ganz ohne Farbe.
Warum eine Leinwand das ehrlichste Testfeld ist
Im Meeting kann man Rollen simulieren. Man kann sich als Teamplayer ausgeben und ist eigentlich der Macher, der nur gelernt hat, freundlicher zu klingen. Vor der Leinwand funktioniert das schlechter, weil die Hände schneller sind als die Selbstdarstellung. Wer sofort zupackt, zupackt. Wer lieber erst beobachtet, beobachtet – auch wenn er im Meeting davor noch behauptet hat, ein Teamplayer zu sein. Genau deshalb eignet sich kreatives Teambuilding so gut als Diagnoseinstrument, das sich nicht wie eines anfühlt. Niemand hat das Gefühl, getestet zu werden. Trotzdem sieht am Ende jeder, wer welche Rolle getragen hat – inklusive der eigenen.
Die Grenzen des Modells – und warum das kein Fehler ist
Nicht alle Rollen zeigen sich an einem Nachmittag, und nicht jeder Mensch bleibt sein Leben lang Perfektionist oder Macher. Rollen verschieben sich mit dem Team, mit der Aufgabe, manchmal sogar mit der Tagesform. Belbins Modell ist deshalb kein Persönlichkeitstest mit Gewissheitsanspruch, sondern eine Landkarte, die zeigt, wo gerade wer steht – nicht, wo er für immer bleiben muss. Eine Rolle ist eine Momentaufnahme, keine Diagnose. Wer das vergisst, macht aus einem hilfreichen Werkzeug schnell eine neue Schublade, und davon hat in Unternehmen ohnehin schon niemand einen Mangel.
Wie wir die Rollen bei FIRMEN MALEN sichtbar machen
Bei einem klassischen Teamevent geht es zunächst um das Bild, das am Ende an der Wand hängt – und darum, dass alle gemeinsam etwas geschaffen haben, auf das sie stolz sein dürfen. Die Rollenverteilung zeigt sich dabei nebenbei, fast beiläufig, und meistens lachend. Wer tiefer einsteigen will, wer die eigenen Muster nicht nur sehen, sondern auch verstehen und verändern möchte, landet bei der Teamentwicklung mit Kunst – dort wird aus der Beobachtung ein echtes Teamcoaching mit Kunst, moderiert, ausgewertet, mit einer klaren Frage am Ende: Was machen wir jetzt mit dem, was wir gerade über uns gesehen haben? Diese Frage beantwortet kein Bild von selbst. Dafür braucht es jemanden, der sie stellt.
Fazit
Belbins neun Teamrollen sind kein Persönlichkeitshoroskop, sondern eine ziemlich nützliche Brille: Sie zeigt, warum der eine sofort anfängt, die andere erst zuhört, und ein Dritter nebenbei die Logistik für alle erledigt – und warum ein Team all das braucht, nicht nur die lautesten Stimmen im Raum. Am einfachsten sieht man das nicht im Meeting, sondern vor einer Leinwand, mit Farbe an den Händen und zu wenig dicken Pinseln für alle. Wenn Sie herausfinden möchten, welche Rollen in Ihrem Team gerade wirklich gespielt werden, nehmen Sie einfach Kontakt zu uns auf – den Pinsel bringen wir mit.
Häufige Fragen (FAQ)
Was sind die Teamrollen nach Belbin?
Meredith Belbin hat neun Rollen beschrieben, die Menschen in Teams typischerweise übernehmen: drei handlungsorientierte (Macher, Umsetzer, Perfektionist), drei wissensorientierte (Neuerer, Wissensträger, Beobachter) und drei kommunikationsorientierte (Koordinator, Teamarbeiter, Wegbereiter).
Kann man mehrere Rollen gleichzeitig haben?
Ja, sogar meistens. Die wenigsten Menschen sind reinrassige Macher oder Perfektionisten. Üblich sind zwei oder drei bevorzugte Rollen, die je nach Aufgabe und Team unterschiedlich stark zum Tragen kommen.
Ist das Belbin-Modell wissenschaftlich unumstritten?
Es gibt, wie bei den meisten Teammodellen, kritische Stimmen zur empirischen Absicherung. In der Praxis hat es sich trotzdem als brauchbare Sprache über Zusammenarbeit bewährt, ohne gleich über Charaktereigenschaften zu urteilen.
Wie zeigen sich die Rollen bei einem Teamevent mit Malen?
Erfahrungsgemäß sehr direkt: Wer sofort zum Pinsel greift, wer erst beobachtet, wer koordiniert und wer die Details nachzieht, wird innerhalb der ersten halben Stunde sichtbar – meist deutlicher als in jedem Meeting.
Reicht ein Teamevent, um Rollenverteilungen wirklich zu verändern?
Für die Sichtbarkeit reicht ein Nachmittag völlig aus. Für die Veränderung selbst, also dafür, dass ein Team seine Rollenverteilung bewusst neu verhandelt, braucht es in der Regel mehr Zeit und eine moderierte Auswertung – genau dort setzt systemisches Teamcoaching an.
Autor: Götz Friedewald, Gründer von FIRMEN MALEN, zertifizierter Teamcoach und Künstler.